Brief zur aktuellen Situation von Dr. Jan-Christoph Vogler, Pfarrer

Brief zur aktuellen Situation von Dr. Jan-Christoph Vogler, Pfarrer

Als die Redaktion das Thema dieses Dialogs festlegte, war die gegenwärtige Lage (zur Drucklegung) noch in weiter Ferne. Heute erscheint der Titel „Nur für Schwimmer“ fast so doppeldeutig und vom Geist Gottes inspiriert, wie einst das Wort des Kajaphas: „Es ist besser, dass ein einziger Mensch für das Volk stirbt.“ (Joh 18,14)

Die Corona-Virus-Pandemie zwingt Sie, liebe Gemeinde, dazu, selbstständig „zu schwimmen“. Sie müssen Ihrem Glauben selbst die Nahrung verschaffen, ohne die er verkümmern würde.

Dazu biete ich und Frau Rosner ab sofort bis zum Ende der Krise ein Wort zum Sonntag auf der Homepage pfarrei-altenerding.de an. Ebenso gibt es Angebote seitens des Erzbistums auf dessen Hompage erzbistum- muenchen.de. Dort finden Sie auch Live-Messen aus dem Dom unter erzbistum-muenchen.de/stream.

Ich feiere auch weiterhin Messen für Sie und alle Gläubigen der Stadtteilkirche, allerdings allein. Falls Sie fragen sollten, welchen Sinn dies mache, würde ich antworten: Den Sinn, den jedes Gebet hat. Ich bete für Sie und sie hoffentlich auch ab und zu für mich. Denn als Kirche sind wir eine Gemeinschaft des Glaubens und des Gebets.

Zwar ist unsere Religion dafür ausgelegt, gemeinsam zu beten und Gott zu erfahren (in Wort und Sakrament), doch zwingen uns diese Zeiten es auf, allein „zu schwimmen“. Der Hl. Geist verbindet dennoch alle, wenn wir unserem Glaubens- und Gebetsleben Nahrung geben.

Im Mittelalter, als niemand physisch zur Kommunion ging, war es das Verlangen nach Christus als Ausdruck der Liebe zu ihm, was den Menschen die „Frucht“ des eucharistischen Sakraments zuteil werden ließ. Daran erinnert noch das Gebet des Hl. Thomas von Aquin am Ende jeder eucharistischen Anbetung: „Gib uns die Gnade, die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes so zu verehren, dass uns die Frucht der Erlösung zuteil wird.“

Allen, die Angst oder Sorge haben; allen, die vielleicht einen Menschen durch die Pandemie verlieren, möchte ich zurufen: Christus ist an Ihrer Seite. Er lässt Sie nicht allein – nicht in Not, nicht in Angst oder Sorge, nicht im Tod. Er ist immer für uns da!

Daher schäme ich mich, dass ich im Moment meiner Rolle, dies sakramental in dieser Welt zu symbolisieren (keinem anderen Zweck dient das Priestertum in unserer Kirche) nicht in einer Weise nachkommen kann, wie es seitens Christi eigentlich geboten wäre.

Hoffen wir auf bessere Zeiten. Beten wir füreinander! Seien wir solidarisch und versuchen wir, alle Angst aus unseren Herzen zu vertreiben, damit Christus in ihnen wohnen kann!

Dr. Jan-Christoph Vogler, Pfarrer