4. Sonntag Jahreskreis

4. Sonntag Jahreskreis

Wort zum 4. Sonntag im Jahreskreis – LJ B – 31.01.2021

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Markus (1,21-28)

In Kafárnaum ging Jesus am Sabbat in die Synagoge und lehrte.

Und die Menschen waren voll Staunen über seine Lehre;

denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat,

nicht wie die Schriftgelehrten.

In ihrer Synagoge war ein Mensch,

der von einem unreinen Geist besessen war.

Der begann zu schreien:

Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret?

Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen?

Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.

Da drohte ihm Jesus: Schweig und verlass ihn!

Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her

und verließ ihn mit lautem Geschrei.

Da erschraken alle und einer fragte den andern: Was ist das?

Eine neue Lehre mit Vollmacht:

Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl.

Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa.

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

Ansprache

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

im Dezember 2018 stand ich während meiner Pilgerreise im Heiligen Land auch in den Überresten der Synagoge von Kafarnaum. Bei dem gerade gelesenen Evangelium gehen meine Gedanken wieder auf die Reise, als wir uns dort eine windgeschützte Ecke suchten.

Was ist von damals hängen geblieben, was auch heute noch in der Pandemie an Gedanken passt? Vielleicht sogar heute noch wesentlich mehr als damals?

Jesus zeigt mir aufs Neue, dass seine Botschaft zum Leben auffordert! Ganz egal, was mich selbst gefangen hält

  • an Gedanken, Gefühlen, Erlebnissen und Erfahrungen
  • an Menschen in unterschiedlichster Ausprägung
  • an Süchten und Fesseln (Alkohol, Nikotin, Fernsehen, Internet, Sport, Schönheit, Essen, …)

Jesus zeigt mir mit SEINER Botschaft immer einen Weg ins Leben, einen Hoffnungsweg, einen Weg der Zuversicht auf.

Wir lesen vom Dämon, vom unreinen Geist, der diesen Menschen ganz in Beschlag hält. Ich kann mir vorstellen, dass viele diese Situation von sich selbst kennen. Mir geht es immer dann so, wenn mich etwas so in Beschlag nimmt, dass ich keine anderen Gedanken zulassen kann, für nichts mehr offen bin und nur um die eine einzige Sache kreise. Da hält mich dann etwas so in Beschlag, dass ich nicht mehr klar denken kann und für Ratschläge und Tipps jeglicher Art nicht empfänglich bin, sie schon gar nicht erst höre.

Was geschieht, dass ich wieder aus diesem Kreislauf rauskomme? Manchmal ändert sich das Gedankenkarussell, wenn ich eine Nacht drüber schlafe oder ich jemand begegne, der mit etwas völlig anderem zu mir kommt, wenn ich mit jemand rede, der mit der Problemsache überhaupt nichts zu tun hat oder mir fällt über ein Bild, einen gelesenen Artikel, o.ä. etwas auf und ein, womit sich alles löst, auflöst.

Vielleicht kommt Ihnen das ja auch bekannt vor …

Der unreine Geist, von dem wir im Evangelium gehört habe, er erkennt in Jesus den, der stärker ist und das Leben verkörpert. Auf die Drohung Jesu „Schweig und verlass ihn!“ gibt der Dämon nicht nur nach sondern ganz auf und verlässt den Menschen.

Jesu Wort, SEINE konkrete Zuwendung zum Hilfsbedürftigen, SEINE Sorge um den kranken Mitmenschen ist für diesen Menschen die beste Medizin.

Wilhelm Wilms bringt es auf seine Weise auf den Punkt:

„Wusstest du schon, dass die Nähe eines Menschen gesund machen, krank machen, tot und lebendig machen kann?“ (siehe unten)

Und so wünsche ich uns allen, dass wenn wir uns mal wieder nur um uns selbst drehen und gefangen genommen sind von was auch immer – dass dann EINER da ist für uns. Dass Jesus aufleuchtet im Gesicht und der Nähe des Menschen, der Menschen um uns rum, die sich uns zuwenden, für uns da sind.

Amen.

(Anne Rosner, Gemeindereferentin)

Fürbitten

Guter und menschenfreundlicher Gott, mit allem, was wir auf dem Herzen haben, kommen wir zu Dir:

  • Wir beten für die weltweite Kirche: Mache sie zum Sauerteig in der Gesellschaft aller Völker und Kulturen.

Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.

  • Wir beten für alle Menschen, die Gottes Wort in allen möglichen Situationen des Lebens verkünden: Gib ihnen hilfreiche Worte und ansprechende Gesten für die Fragen und Nöte unserer Zeit.

Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.

  • Wir beten für alle Menschen, die sich in Krisenregionen um Frieden bemühen: Stärke sie mit der Kraft der Hoffnung.

Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.

  • Wir beten für alle Kinder und Jugendlichen, die nicht in stabilen Familienverhältnissen leben: Hilf ihnen, gute Wegbegleiter und tragende Werte im Leben zu finden.

Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.

  • Wir beten für alle, die in Suchtberatungen Menschen und ihren je eigenen Schicksalen begegnen: Lass sie für die Menschen, die sich ihnen anvertrauen, offene Ohren, Augen, Hände und Herzen haben.

Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.

  • Wir beten für alle kranken und mit Sorgen belasteten Menschen – besonders von der Corona-Pandemie betroffenen – Sei ihnen nahe als Helfer und Tröster.

Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.

  • Wir beten für alle Sterbenden und unsere Verstorbenen: Lass sie Ruhe und Frieden finden bei Dir in der Ewigkeit.

Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.

Lebendiger Gott, Du bist immer für uns da und berührst uns wieder neu mit Deinem Wort, mit Deiner Botschaft. Öffne unsere Herzen für Dich und höre und erhöre uns so, wie es gut ist für uns.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Amen.

Wusstest du schon

Wusstest du schon, dass die Nähe eines Menschen gesund machen, krank machen, tot und lebendig machen kann?

Wusstest du schon, dass die Nähe eines Menschen gut machen, böse machen, traurig und froh machen kann?

Wusstest du schon, dass das Wegbleiben eines Menschen sterben lassen kann, dass das Kommen eines Menschen wieder leben lässt?

Wusstest du schon, dass die Stimme eines Menschen einen anderen Menschen wieder aufhorchen lässt, der für alles taub war?

Wusstest du schon, dass das Wort oder das Tun eines Menschen wieder sehend machen kann, einen, der für alles blind war, der nichts mehr sah, der keinen Sinn mehr sah in dieser Welt und in seinem Leben?

Wusstest du schon, dass das „Zeithaben“ für einen Menschen mehr ist als Geld, mehr als Medikamente, unter Umständen mehr, als eine geniale Operation?

Wusstest du schon, dass das Anhören eines Menschen Wunder wirkt? Dass das Wohlwollen Zinsen trägt, dass ein Vorschuss an Vertrauen hundertfach auf uns zurückkommt?

Wusstest du schon, dass DU dieser Mensch sein kannst?

(Wilhelm Willms, aus: “Der geerdete Himmel”)